Zeit für ein Update – Rückstellung in NRW

Es ist Zeit für ein Update zum Thema der Rückstellung von unserem Sohn in NRW. Zu diesem Thema haben uns wirklich unglaublich viele Kommentare erreicht. Die meisten davon waren selbst betroffene Eltern. Eben diese Eltern, welche der festen Überzeugung sind, dass ihre Kinder von einem weiteren Jahr Kindergarten profitieren. Wir haben uns ausgetauscht und haben die politische Diskussion verfolgt. Im Oktober diesen Jahres wurde unsere Hoffnung geschürt, dass die im Koalitionsvertrag angedeutete Veränderung zur Einschulung umgesetzt wird. In einem Erlass der Schulministerin  wird die Rückstellung nun erleichtert. Eltern können nun eigene „Gutachten“ einholen und auch erwartbare negative Auswirkungen sind als Begründung zugelassen. Dies bietet für Eltern mehr Raum zum pädagogischen Argumentieren und so zu einer Erleichterung der Rückstellung.

Was wir gemacht haben

Zunächst sind wir auf die Erzieherinnen im Kindergarten zugegangen und haben mit Ihnen über unser Anliegen gesprochen. Vom Kindergarten wurde uns ein Schreiben ausgestellt, das unserem Sohn attestierte, dass er ein völlig normal entwickeltes Kind ist, es dennoch sinnvoll sei, wenn er noch ein Jahr im Kindergarten zu bleiben um sozial- emotional nachzureifen.

Der zweite Schritt war die Anmeldung bei der Schule. Nach einem kurzen Smalltalk und dem Hinweis auf das Geburtsdatum unseres Sohnes brauchten wir bei der Schulleitung gar nicht mehr viel sagen. Sie erklärte uns sofort, dass sie unser Vorhaben unterstützen würde. Sie riet uns aber noch, unseren Kinderarzt noch auf unsere Seite zu holen.

Im dritten Schritt gingen wir dann also zu unserem Kinderarzt und baten um einen gemeinsamen Termin um die neue gesetzliche Grundlage zu erörtern. In dem Gespräch wurde schnell deutlich, dass auch dieser unseren Wunsch verstehen und mitgehen würde. Er erklärte sich außerdem bereit einen Arztbrief auszustellen, in dem er eine Rückstellung in Hinblick auf die noch nicht ausreichende sozial-emotionale Reife begrüßen würde. Exakt der gleiche Kinderarzt hatte uns vor einem halben Jahr noch erklärt, dass wir auf eine Rückstellung keine Chance hätten. Jetzt hingegen seien unsere Chancen aber um 200% gestiegen.

Mit dem Brief des Kindergartens, des Kinderarztes und dem „O.k.“ der Schulleitung bewaffnet gingen wir zur amtsärztlichen Schuluntersuchung.

Die Schuleingangsuntersuchung

Die Untersuchung begann mit ein paar Aufgaben, die wir schon von den U-Untersuchungen kannten: Seh- und Hörtest, Farben und Formen benennen sowie Malaufgaben. Jonathan machte seine Sache ganz gut, wenn auch etwas unmotiviert (was mich ein wenig wunderte, eigentlich mag er solche Aufgaben). Dann wurde er noch vom Arzt untersucht und musste sein motorisches Geschick beweisen. Auch da war er nicht ganz bei der Sache und diskutierte auch noch mit dem Arzt, ob er sich nun ausziehen müsse oder nicht. Jonathan setzte sich durch 😉

Im Anschluss an diese ganzen Untersuchungen kam der (für uns) spannende Teil: Wir durften unser Anliegen auch dem Schularzt vortragen. Er war zwar im Großen und Ganzen zufrieden mit unserem Jungen, stimmte uns aber in unseren Bedenken zu. Er versicherte uns, dass er dies auch so der Schule weitergeben würde.

Kaum waren wir danach zu Hause, klagte Jonathan über Kopfschmerzen und bekam Fieber, das erklärte dann zumindest, warum er nicht so konzentriert bei der Sache war wie gewohnt.

Nur ein paar Tage später kam dann auch das schriftliche Gutachten vom Kinderarzt an, in dem er eine Rückstellung klar empfiehlt.

Zweifel an der Rückstellung bleiben nicht aus

Man kann durchaus sagen, dass wir mit unserem Anliegen sehr viel positives Feedback bekommen haben. Nun  warten wir „nur“ noch auf die endgültige  Entscheidung der Schulleiterin. Nach dem jetzigen Stand haben wir aber keine Zweifel mehr, dass die Rückstellung für Jonathan funktionieren wird. Mit der Nachricht des neuen Erlasses wurden unserem Anliegen noch weiter Tür und Tor geöffnet. Alle Fachkräfte der unterschiedlichen Professionen waren sich einig, dass unser Sohn nicht mit 5 Jahren in die Schule gehen soll. Dafür sind wir wirklich dankbar! Es war leichter als ursprünglich erwartet.

Es wäre eine fälschliche Darstellung, wenn ich an dieser Stelle nicht noch eine Sache erwähne. Wir hatten und haben immer wieder auch Zweifel, ob wir das „Richtige“ tun. Zum Beispiel kamen wir von der Schulanmeldung heraus und waren froh darüber, dass wir ein gutes Gespräch mit der Schulleitung hatten. Unser Sohn aber sagte: „Oh Papa, ich habe so ein Glück mit meiner Schule, da gehen alle meine Freunde hin und dann lerne ich endlich lesen und schreiben“. Da hatte ich schon für einen Moment einen Kloß im Hals.

Mittlerweile haben wir Jonathan gesagt, dass er noch ein Jahr im Kindergarten bleibt. Dies scheint für ihn auch vollkommen in Ordnung zu sein. Seine Hauptbezugspersonen sind und bleiben wir als Eltern und unsere Aufgabe wird es sein, seine Gefühle aufzufangen, wenn es nötig ist.

 

Vater sein ist…. Schwierige Lebensentscheidungen zu treffen

6 Gedanken zu “Zeit für ein Update – Rückstellung in NRW

  1. Hochinteressant!!! Ich wusste nicht, dass Ihr auch in der Situation seid. Kannst Du mir sagen, womit Euer Kinderarzt seine Empfehlung begründet hat? Und noch eine Frage: Habt Ihr schon früher angefangen, darauf hinzuwirken, dass Jonathan zurückgestellt wird? Bei uns betrifft es die dreijährige Coco, die ET 15.10. hatte, 4 Wochen zu früh kam, was man ihr bis heute deutlich anmerkt – was auch überhaupt kein Thema ist -, was aber durch die Frühgeburt ausgerechnet dazu führt, dass sie dann auch noch mit 5 eingeschult wird. Nun ist aus Sicht unseres Kindergartens, und ich sehe das ähnlich, gar nicht so sinnvoll, das letzte Kiga-Jahr noch einmal zu machen, denn da geht scho viel um Schulvorbereitungen, und alle Kinder sind in Schule-Vorfreude-Stimmung. Sinnvoller wäre es daher, das jetzige erste oder das kommende zweite Kiga-Jahr doppelt zu machen. Nur: Mit Stand jetzt bekommt man ja keinerlei Anhaltspunkte, ob eine Rückstellung wahrscheinlich erfolgreich ist, oder? Danke dass Du Eure Erfahrungen hier teilst!
    Liebe Grüße
    Mo

  2. Hei Mo, danke für deinen Kommentar! Wir haben erst im letzten Kindergartenjahr daraufhin gearbeitet, dass Jonathan zurückgestellt wird. Das bedeutet leider auch, dass er nach den Weihnachtsferien aus der Vorschulgruppe wieder zurückwechseln wird. Wir sind der Überzeugung, dass ein Wiederholen des Vorschuljahres (zumindest ein Teil) für Jonathan das „kleinere Übel“ ist, als in der Schule dann Sozial-Emotional überfordert zu sein. Inwiefern man da schon vorarbeiten kann weiß ich leider nicht. Ganz sicher ist aber, dass es mit dem neuen Erlass deutlich einfacher wird.
    Unser Kinderarzt hat damit argumentiert, dass Jonathan klein und zierlich ist und dadurch sein Durchsetzungsvermögen sowie seine Frustrationstoleranz noch nachreifen müssen. Es gilt jetzt der Grundsatz, dass auch zu erwartende Folgen als Gründe zugelassen sind. Dazu gehörte für den Kinderarzt vor allem der sozial-emotionale Aspekt.
    Ich wünsche euch, dass ihr mit der Rückstellung ebenfalls Erfolg haben werdet! 🙂

    Liebe Grüße
    Sebastian

  3. Hallo 🙂
    Ich war auch sehr lange am Überlegen ob ich meine Tochter ( 30.08.2012 Geburtsjahr) zurückstellen soll. bei der U9 die im Sept. 2017 war sagte der Kinderarzt zu mir,meine Tochter würde 1 weiteres Jahr Kindergarten gut tun da wir aber in NRW leben wäre dies hier unmöglich sie müsste in der Schule dann Sonderpädagogen haben und sie wird es in der Schule sehr schwer haben. Seit Sept 2017 bekommt sie Ergotherapie weil sie Motorisch nicht so weit ist in Fein/Grob. Die Ergotherapeutin ist auch aufgefallen das meine Tochter unter Virsuellen Wahrnehmungsstörung leidet. das ist im kiga auch aufgefallen. die Erzieher sagen aber Rückstellung unmöglich selbst wenn wir es durchbekommen dann könnte es passieren das sich meine Tochter im kindergarten langweilt. nun stehe ich zwischen 2 stühlen und weiß nicht was die richtige Entscheidung wäre???

  4. Hallo,
    Gerne würden wir unsere Tochter, geb. 26.08.13, zurückstellen.
    Wir würde gerne erfahren, ob jemand erfolgreich war und wie er dieses erreicht hat.

    Grüße
    Michael

  5. Hallo und guten Tag,

    ich möchte einmal fragen ob die Rückstellung für euren Sohn durch ist?
    Wir sind in der gleichen Situation und stehen gerade vor dem Problem das das Gesundheitsamt Recklinghausen uns die Rückstellung nur geben möchte wenn das Kind nachweislich erhebliche gesundheitliche Probleme hat.

    Wir haben bisher nur die Empfehlung der Waldorfschule für eine Rückstellung.
    Wir haben keinen Kinderarzt da mein Mann selber Arzt ist.

    Ich bin etwas irritiert da ich davon ausgegangen bin das die Rückstellung einfacher sein soll.
    Die Schulamtsdirektor verneinte das, es sei nur in den Medien so geschildert worden.

    Es muss ein erheblich gesundheitlicher Schaden vorliegen.

    Ich habe jetzt eine Kinderpsychaterin eingeschaltet, die aber auch nur ein Problem darin sieht das er halt jung ist, nur er ist nicht krank.

    Tom ist am 14.9. geboren.

    Ich bedanke mich schonmal für eine Info.

    Viele Grüße

    Svenja Bergmann

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