Unsere Hausgeburt – Eine Timeline

Sie ist endlich da! Das Warten hat ein Ende. Am 31.03.2017 um 22:39 Uhr ist unsere kleine Paulina mit 52cm und 3500 Gramm in unserem Wohnzimmer auf die Welt gekommen. Eine Timeline der Hausgeburt.

Morgens

31.03.2017 – 04:00 Uhr

Jemand für mich wildfremdes steht in meinem Schlafzimmer  und sagt: Hallo Sebastian, eins deiner Kinder bräuchte dich mal. Wie sich herausstellt ist es die Hebamme Verena, die ich noch nicht kennengelernt habe. Meine Frau liegt in der Badewanne und weht. Ich stehe auf und kümmere mich um Jonathan. Das fängt wirklich großartig an, hab ich die Hälfte schon verschlafen?

04:20

Jonathan schläft nicht mehr ein. Unsere Notbetreuung bei meinen Eltern muss herhalten. Das Haus ist wach. Meine Frau ist weiter in der Badewanne und ich stelle mich erst mal schlaftrunken der Hebamme vor und koche Kaffee. Zwischen den Wehen erklärt Silja mir, dass sie versucht habe mich zu wecken – offensichtlich erfolglos.

05:00

Die Wehen werden weniger und schwächer. Verena und Silja entscheiden, sich etwas hinzulegen und abzuwarten. Da ich nicht mehr schlafen kann, lese ich und spiele Game Boy – Zelda – Links awakening (immer noch ein cooles Spiel)

06:00

Hanna ist auch wach. Da bei meinen Eltern eh keiner mehr schläft wird auch sie samt Anziehsachen für sich und Jonathan hoch zu meinen Eltern gebracht.  Meine Mutter kündigt an Brötchen zu holen und ich bestelle für die Geburtsgemeinschaft eine zusätzliche Lieferung.

06:30

Frische Brötchen stehen vor der Tür und ich  mache mich in der Küche auf, ein Frühstück vorzubereiten. Meine Frau hat jetzt kaum noch Wehen.

07:00

Silja und Verena entscheiden, dass Verena nochmal fährt, da sie Wehen jetzt so unregelmäßig kommen, dass derzeit nichts auf Geburt hindeutet. Gott sein dank habe ich schon Urlaub. Verena darf wenigstens noch Frühstücken.

08:30

Ich bringe Hanna und Jonathan in den Kindergarten. Alle Erzieherinnen und einige Eltern fragen, ob man schon gratulieren darf. Kann man nicht!! Schnell nach Hause.

09:00

Schlafen,…

Der Tag

11:00

Ich berate mich kurz mit Silja, wie wir den restlichen Tag gestalten wollen. Jonathan wollte bei den Großeltern schlafen, Hanna kurzerhand auch.

14:30 – 16:30

Nach einem ausführlichen Mittagsschlaf und einem starken Kaffee packe ich alle nötigen Klamotten für die Übernachtung von Hanna und Jonathan bei den Großeltern. Die beiden freuen sich riesig. Gott sei Dank. Meine Schwiegereltern wollen selbstverständlich wissen, wie es aussieht. Silja schreibt mir zwischendurch, dass ich ruhig noch bei den Kindern bleiben kann, da sich aktuell nicht viel tut.

17:00

Die Wehen von Silja werden wieder mehr. Sie tigert durch die Wohnung und weiß nicht so richtig was sie machen soll. Immer wenn sie sich hinsetzt werden die Wehen weniger. Im Krankenhaus hätte sie wahrscheinlich schon längst einen Wehentropf bekommen. Wir sind uns einig, dass wir Hausgeburt trotzdem besser finden.

Endspurt

18:30

Die Wehen werden stärker. So stark, dass Silja unter der Wehe weder sprechen kann, noch mein Angebot auf meinem Game Boy Super Mario zu spielen lustig findet. Stattdessen beginnt sie auf meine Aufforderung hin, einen Geburtskuchen zu backen. Nicht, weil ich so ein Macho bin und unbedingt Kuchen will, sondern damit sie abgelenkt wird und das Baby einen Geburtstagskuchen hat, wenn es denn kommt.

19:00 Uhr

Die Wehen sind super. Sie sind stark, nur die Abstände könnten noch ein wenig flotter sein. Ich beschließe Verena schon mal zu informieren. Sie geht aber leider nicht dran. Als sie kurze Zeit später zurückruft, spricht sie kurz mit meiner Frau. Silja hat Angst sie wieder zu früh zu rufen und sagt ihr, sie wolle noch warten.  Sie geht noch mal in die Badewanne.

19:30

Meine Pizza und mein Schwiegervater treffen gleichzeitig ein. Letzterer hatte mir 5 min zuvor eine Whatsapp geschrieben, dass meinem Sohn seine geliebte Euli fehlt. (Euli ist eine Stoffeule) Die Pizza schmeckt nur so Naja, aber ich werde die Energie wohl noch brauchen.

20:15 

Wir rufen Verena an. Es zeichnet sich so langsam ab. Heute Nacht werden wir zum dritten Mal Eltern. 31.03 oder 01.04 wird wohl der Geburtstag unseres Kindes. Meine Schwiegereltern haben mich darauf hingewiesen, dass wir noch für den ganzen März Kindergeld bekommen, wenn es am 31.03. kommt. Verena sagt, dass sie sich auf den Weg macht.

Ab hier muss ich gestehen, habe ich nicht mehr sonderlich viel auf die Uhr geschaut und habe auch mein Ablenkungsgerät beiseitegelegt.

Gegen 21:00

Verena kommt und bereitet das Wohnzimmer vor. Alle Utensilien waren noch von der letzten Nacht im Wohnzimmer. Die Plane liegt zusammengefaltet im Korb (Siehe auch Checklist für die Hausgeburt).  Sie untersucht Silja und erklärt, dass der Muttermund zwischen 7-8 cm offen ist. Die Wehen könnten aber noch etwas öfter kommen.

Währenddessen versuche ich meine Frau so gut ich kann zu unterstützen. Ich reiche ihr trinken an. Massiere ihr den Rücken und halte sie während der Wehen fest, wenn sie es möchte. Nachdem Verena alles vorbereitet hat hält sie sich im Hintergrund. Silja und ich machen das. Sie hört ab und zu die Herztöne des Kindes. Ich fühle mich nicht nutzlos.

22:00

Die Fruchtblase will nicht platzen. Silja tigert zwischen Wohnzimmer und Toilette hin und her. Die Schwerkraft ausnutzen und den Druck erhöhen. Sie äußert ein ums andere Mal, dass sie keine Lust mehr hat. Hilft aber nix!

22:39

Die Fruchtblase platzt. Silja kniet gerade vor mir und hält sich an mir fest, als die Wehe kommt. Sie presst und in derselben Wehe wird unsere Tochter Paulina Luise geboren. Wir haben es geschafft. Paulina wird auf Siljas Bauch gelegt und die Nabelschnur darf auspulsieren. Danach trenne ich die Nabelschnur und Paulina fängt das erste Mal an der Brust zu trinken…

„Du Kind, in diesen kleinen Händen hältst du schon jetzt mein Räuberherz, sagte er. Ich begreife es nicht, aber es ist so.“     (Astrid Lindgren, Ronja Räubertochter)

Vater sein ist… unbegreiflich

Ein besonderer Dank geht an die Hebammen des Geburtshauses Düsseldorf, diese wundervolle Hausgeburt überhaupt möglich gemacht haben. Danke, Danke Danke !!!

2 Gedanken zu “Unsere Hausgeburt – Eine Timeline”

  1. Wunderschöner Bericht…herzlichen Glückwunsch zu eurer kleinen Paulina ❤…
    Auch wir bekommen in ca. 3 Monaten unser drittes Kind und möchten dieses mal eine Hausgeburt. Durch solche Geburtsberichte fühle ich mich in unserer Entscheidung sehr bestärkt ?…vielen Dank dafür und alles Liebe für Euch.
    Herzlichst grüßt euch Nathalie

  2. Ihr Lieben, es ist ein wundervoller Geburtsbericht! Auch wir durften am 6.4. 2017 zum dritten Mal Eltern werden zu Hause!!! Ich bin so dankbar, dass ich eine Hebamme gefunden habe die zu uns kam. Der Verlauf war auch etwas schleppend (von Anfang an Wehenschwäche, riesiger Bauch, Fruchtblase die nicht platzen wollte, der Gedanke daran, dass unser Zweitgeborener eine abgebrochene Hausgeburt war und dann (zum Glück) unterwegs in die Klinik doch noch im PKW geboren wurde, immer wieder Fehleinstellung des Kopfes ins Becken…) und ohne meine Hebamme zu Hause hätte ich es nicht geschafft. Wir waren uns im Nachhinein alle einig! Nur zu Hause gibt es diese Vertrautheit und Geborgenheit und vor Allem Selbstbestimmung. Ich bin selbst von Beruf Hebamme und es ist so wichtig, dass sich endlich ein Umdenken einstellt beim Start ins Leben.
    Ich danke meiner Hebamme und der Hebammenschülerin von ganzem Herzen für ein unvergessliches Lebensereignis!

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