Schwangerschaft und die Beziehung zum Kind

Schwangerschaft 1 –Unser Sohn Jonathan (4)

Wir werden zum dritten Mal Eltern. Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern, wie es bei meinem Sohn gewesen ist, immerhin ist es noch keine 5 Jahre her.  Zu dieser Zeit war ich noch Student und wir hatten die Möglichkeit die Schwangerschaft in Gänze zu zelebrieren. Wir waren bei einem gemeinsamen Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus und haben wöchentlich Bilder zu dokumentationszwecken geknipst. Als Highlight dann noch Bauchbilder bei einer Fotografin, welche nun auch noch in unserem Schlafzimmer die Wand schmücken. Ich habe „fast täglich“ (Meine Frau wird bestimmt etwas anderes sagen) den Rücken massiert und mit unserem ungeborenen Jonathan gesprochen.  Mein Sohn ist ein echtes Mama-Kind geworden und eher ein ruhiger Vertreter seiner Art. Als wir mit ihm im Winterurlaub Schlitten fahren waren, erklärte er uns nach geschlagenen drei Abfahrten, dass es  zwar ganz schön gewesen sei, er nun aber wieder nach Hause wolle um ein Buch zu lesen. Dieses Verhalten stößt bei mir so manches Mal auf ein gewisses Unverständnis. Allerdings kenne ich meinen Sohn ja mittlerweile und ich weiß auch wofür er sich begeistern lässt. Jonathan ist mit seinen 4 Jahren ein absoluter Rollenspieler. Da ich auch einen Hang zum Rollenspiel hege, weiß ich jetzt, dass ich den Ausflug in den Park nicht wegen des Parks, der Rutsche oder dem Klettergerüst oder der Schaukel machen muss, sondern weil ein großer Schatz darauf wartet, von uns entdeckt  zu werden.

Schwangerschaft 2 – Unsere Tochter Hanna (2)

Bei meiner Tochter konnten wir schon nicht mehr ganz so viel zelebrieren. Meine Frau hat ihren Geburtsvorbereitungskurs alleine gemacht (Wahrscheinlich um auch ein wenig Ruhe zu genießen) Ich war mit meinem Sohn zu Hause. Ich musste deutlich mehr Arbeiten  und so hatte man zwischenzeitlich ein „schlechtes Gewissen“ weil man gedanklich doch mit mehr Baustellen beschäftigt war als bei unserem „Großen“. Auch die Massagen fielen etwas weniger aus.  Ich kann mich auch daran erinnern, dass ich damals Angst davor hatte, dass ich durch diese Situation eine weniger gute Beziehung zu meiner Tochter aufbauen könnte. Eben weil man nicht so viel „Vorarbeit“ leisten konnte.  Rückblickend kann ich sagen, dass sich dies in keiner Weise bestätigte. Meine Tochter und ich haben ein inniges Verhältnis. Sie hat eine ganz andere Art auf mich zuzugehen als mein Sohn. Sie sucht viel häufiger von allein den Kontakt als ich es von Jonathan gewöhnt bin. Beim Essen will sie z.B. oft ganz nah neben, oder gar auf mir sitzen oder verlangt, dass ich sie Anziehe oder Bettfertig mache. Meine Tochter Hanna ist eine richtige Räubertochter. Zu ihr passt, nicht nur wegen ihrer roten Haare, Astrid Lindgrens Zitat „sei wild und frech und wunderbar“. Ihr ist kein Matschberg zu hoch und sie lässt keine Gelegenheit aus mit mir zu toben.

Schwangerschaft 3 – Unsere Tochter ??? (0)

Ich glaube ich erzähle keinem etwas neues, wenn ich sage, dass das Alltagsleben mit zwei Kindern unter 5 Jahren durchaus seine Herausforderungen birgt. Die meisten davon meistert Silja (meine Frau) tagsüber ohne mich. Wenn ich abends aus dem Büro komme, gibt es da nicht nur diese tolle Frau mit einem Kugelrunden Bauch, sondern auch zwei großartige Kinder, die sich auf mich mit einem lauten „Papaaa“ stürzen um mit mir zu spielen, mir etwas aus dem Kindergarten erzählen wollen oder einfach auf meinem Arm wollen. Wenn diese beiden Kinder dann irgendwann in ihren Betten verschwunden sind, wartet dann noch die ein oder andere häusliche Aufgabe und ehe man sich umsieht ist 23:00 Uhr und man möchte so langsam ins Bett (hat seine Frau wieder nicht massiert oder den Bauch gestreichelt und zum Baby gesprochen), weil der nächste Tag wieder gegen 05:30 durch das Klingeln des Weckers begonnen wird. Der Alltag fordert seinen Tribut. Es sind im Gegenzug zu den anderen Schwangerschaften so wenige Momente geworden in denen man(n) sich um den Bauch und das ungeborene Kind kümmert, dass das „schlechte Gewissen“ wieder da ist. Aber wo, wenn nicht im Bauch ist das Kind im Augenblick am besten versorgt?

Ich glaube, es liegt in der Natur der Sache, dass Eltern mit mehr als einem Kind manchmal das Gefühl haben, nicht allen gleich gerecht zu werden. Aber ich denke auch, dass es genau dieses Gefühl ist, welches Eltern dann dazu bringen kann dem entgegen zu wirken.

Ich weiß, dass sobald das Kind auf der Welt ist, es seinen Platz in unserer Familie finden wird. Ich weiß auch, dass ich mir die Zeit nehmen werde, die wir benötigen um eine gute Beziehung aufzubauen. Ich weiß, dass dieses Kind anders sein wird als Hanna und Jonathan, so dass ich mit viel Freude mein eigenes Kind kennenlernen darf.   Bange machen gilt nicht!

 

Vater sein ist… Beziehungssache

Schreibe einen Kommentar