Wenn der Mund schneller ist als der Kopf!

In der Kommunikation mit Kindern sagen Eltern manchmal dumme Sachen. Vor allem, wenn der Mund schneller ist als der Kopf. Die Situationen, in denen man Zeit hat diese zu bewerten, zu analysieren und sich Gedanken zu machen und schließlich „richtig“ oder „adäquat“ zu reagieren sind im Alltag eher selten. Ich möchte von einer Situation berichten, in der ich mich schon, als ich es gesagt  habe, wahnsinnig über mich selbst geärgert habe.

Was ist passiert?

Ich hatte eine Auseinandersetzung mit meinem Sohn Jonathan (4,9 Jahre). Aus irgendeinem Grund hatte er sich mit seiner Schwester gestritten und ich zog ihn zur Seite um mit ihm über den Disput zu sprechen. Ich kann im Nachhinein nicht mehr sagen, worum es ging und warum ich ausgerechnet mit Jonathan sprechen wollte. Er hatte aber keine Lust mit mir darüber zu sprechen. Da ich, wenn ich mit ihm rede in der Regel auf seine Augenhöhe gehe, schlug er mir ins Gesicht. Wenn ich jetzt als Pädagoge (und als Papa) bis hierhin mit mir selber in die „Fehleranalyse“ gehe, sträuben sich schon beim Schreiben meine Nackenhaare. Ich hielt ihn am Arm fest, um mit ihm zu reden. Soweit so schlecht. Er dreht sich also um und weil mein Kopf genau in seiner Höhe war, traf er auch. Auch wenn er erst 4 ist, hatte es seine Wirkung nicht verfehlt. Ich schaute ihn mit großen verwunderten Augen an und sagte: „Wenn du mich  haust, haue ich dich zurück“

Mein Mund war schneller als mein Kopf!- zumindest in dieser Situation

Schon als ich dies ausgesprochen hatte, wusste ich, wie unendlich dämlich diese Aussage war/ist. Nicht nur, dass mein Sohn normalerweise überhaupt kein Haudegen ist und man mit ihm nach einem gewissen Abstand Situationen relativ gut verbal reflektieren kann, so hatte ich meinem Sohn Gewalt angedroht. Abgesehen davon, dass es eine völlig leere Drohung war. Jonathan schaute mich an, sagte nichts, drehte sich um und ging aus der Situation heraus. Es bedurfte nicht dem Blick von Silja, da ich selber wusste, dass mein Mund schneller gewesen war als mein Kopf.

Wie bereits erwähnt kann man mit Jonathan Situationen mittlerweile gut verbal reflektieren, so dass ich zu Jonathan ging, ihn in den Arm nahm und mich für meine Aussage entschuldigte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich mich ziemlich erschrocken habe und deswegen etwas sagte, was ich nicht sagen wollte. Des Weiteren war es mir wichtig ihm zu verdeutlichen, dass ich ihn natürlich nicht zurückhauen würde. Wirklich hart war dann für mich, dass Jonathan sich ohne Aufforderung für das hauen entschuldigte und mich in den Arm nahm und sagte: „Ich finde hauen auch doof“.  Hart war es, weil mir klar wurde, wie reflektiert Jonathan in diesem Moment gewesen war und meine Reaktion völlig überzogen.

Mein kleines Fazit

Das verdeutlichte mir, wie schnell man manchmal Dinge sagt, die man eigentlich so nicht meint und wie wichtig es ist, darüber mit seinen Kindern zu sprechen und solche Situationen nicht im Raum stehen zu lassen. Dafür, dass die Situation so mies begonnen hatte, glaube ich, dass Jonathan und ich die Kurve noch ganz gut bekommen haben, in dem wir nach einer gewissen Zeit über unseren Streit gesprochen haben. Ich denke, dass es unglaublich wichtig ist, vor seinen Kindern auch eigene Fehler zuzugeben, da kein Elternteil unfehlbar ist und trotzdem das  prägendste Vorbild.

Mich würde interessieren wie ihr mit solchen Situationen umgeht? Ist bei euch der Mund auch manchmal schneller als der Kopf? Und wie geht ihr danach damit um? Lasst mir einen Kommentar hier oder bei Facebook.

 

Vater sein ist…. Ständige Reflektion

1 Gedanke zu “Wenn der Mund schneller ist als der Kopf!

  1. Ich sach es so: drohungen ohne das auch was hinterherkommt bringen nichts. Da verliern die kleinen jeden Respekt vor dem Erwachsenen.

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